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Artikel: Coccygodynie-Steißschmerzen Ursachen?

 

In einer Studie von Maigne et al. veröffentlicht in Spine 1996; 21(22):2588 wurde die Beweglichkeit des Steißbeins von 91 Coccygodyniepatienten und 47 Gesunden gemessen.

Dabei wurde die Steißbeinposition durch Röntgenaufnahmen im lateralen  Strahlengang zuerst beim stehenden und danach beim sitzenden Patienten bestimmt.  Eine Abweichung von mehr als 25 ° in Flexion wurde als Hypermobilität bewertet.  Ein Versetzen der Deckplatte eines Steißbeinsegments gegenüber der Grundplatte des cranialen Elements (Sacrum oder Steißbein) von mehr als 25% wurde als Luxation definiert.

48,4 % der Coccygodyniepatienten zeigten eine Hypermobilität oder eine Instabilität. Bei der Instabilität fanden sich symptomatisch folgende Daten:

  • ursächliches Trauma
  • Schmerzen beim Aufstehen
  • BMI erhöht
  • Verbesserung der Symptomatik durch intradiscale Injektion

In einer weiteren Studie von Maigne et al.  veröffentlicht in Spine 1994; 19(8) wurden bei Coccygodyniepatienten, die keine Auffälligkeiten im Funktionsröntgen zeigten, eine diagnostische Discographie – eine Kombination von Provokation und anschließender Schmerzblockade-  der Steißbeinbandscheiben durchgeführt. Von 21 Patienten zeigten 15 eine positive Discographie.

Kommentar des Autors: Steißschmerzen scheinen im wesentlichen durch coccygeale Bandscheibenirritationen, die teilweise durch eine Instabilität des betroffenen Segments ausgelöst werden, verursacht zu sein. Auch kann  eine segmentale Hypermobilität, eine Facettenarthrose der unteren lumbalen Segmente (besonders L5/S1) als auch eine erosive Osteochondrose (Modic 1)  ursächlich sein.

Diagnostisch sollten Funktionsaufnahmen, wie oben beschrieben, im Vordergrund stehen. Ein MR mit fettunterdrückten Sequenzen kann die erosive Osteochondrose ausschließen oder bestätigen. In therapieresistenten Fällen ist die diagnostische Discographie zur Diagnosesicherung nötig. Sie sollte auf jeden Fall vor einem operativen Eingriff erfolgen.

Therapeutisch zeigen besonders Patienten mit normalem Funktionsröntgen gute Erfolge durch manuelle Therapie (Maigne Spine 2001; 26(20): E479).  Bei posttraumatischer Instabilität wurden durch partielle Coccygectomie gute Ergebnisse erzielt (Moushine et al. Spinejournal 2006;  6(5):544). Von 15 Patienten zeigten 11 hervorragende und 3 gute Verbesserungen.

Geschrieben am 06.08.2010 von Dr. Uwe Diedrich in der Kategorie "Allgemein".