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Artikel: Fallbeispiel Leistenschmerzen Auflösung

 

Zuallererst vielen Dank für die vielen Kommentare der User zu diesem Fallbeispiel.
Die auslösende Ursache für die geklagten Beschwerden ist der im MR deutlich erkennbare anteriore BSV LWK 2/3.

Anteriore Bandscheibenvorfälle sind verglichen mit den posterioren eher seltener anzutreffen, und werden in der Befundung vom MR Aufnahmen meist übersehen, oder auch nicht beachtet. Ihre klinische Relevanz ist aber nicht geringer als die von posterioren Vorfällen.

Sieht man sich diesen Fall an, so leidet der Patient an chronischen heftigen Leistenschmerzen. Der im MR Befund beschriebene BSV erhält allein aufgrund seines Nachweises eine klinische Relevanz und wird durch eine PRT behandelt. Ein Zusammenhang zwischen diesem Leistenschmerz und dem BSV L5/S1 ist aber ganz unwahrscheinlich. Zwar kann eine Verletzung des Anulus fibrosus einer lumbalen Bandscheibe auch mal zu Leistenschmerzen führen, dann sind diese aber eher dumpf, unscharf begrenzt und von geringer Stärke.  Der Schmerzgebiet umfasst meist auch die Regio trochanterica und das laterale Gesäß. In diesem Fall handelt es sich aber um einen deutlich radikulären Schmerz.

Beim anterioren  BSV kommt es zu einer Reizung des Ligamentum longitudinale anterius (LLA). Zwischen dem LLA und der Wirbelsäule liegt der tiefe Ast des Ramus communicantes. Dieser ist segmental mit dem Rückenmark verbunden und wird durch die BSV bedingte  Reizung wohl für den geklagten radikulären Schmerz verantwortlich sein.

Der Patient wird momentan mit der Flexionsdistraktion behandelt. Eine deutliche Besserung ist schon eingetreten. Schmerzen treten nur noch selten auf und sind dann auch nur von leichter Stärke.  Ich werde darüber auf flexionsdistraktion.de berichten.

Man sollte bei jedem unklaren Schmerz in Leiste, Hoden, Labien und Unterbauch an einen ventralen BSV denken. Heftigste Schmerzen sind hierbei meist anzutreffen.

Geschrieben am 19.03.2011 von Dr. Uwe Diedrich in der Kategorie "Allgemein".